Sitzenbleiben

Ein Schüler, der das Klassenziel verfehlt, muss meist das Schuljahr wiederholen – er bleibt sitzen. Dieser Umgang mit Schülern, die den Anschluss verloren haben, ist weltweit gesehen relativ unüblich und auch hierzulande nicht unumstritten.

ProSitzenbleiben
Die Grundlage unseres Schulsystems besteht darin, dass die Schüler einer Klasse ein ähnlich hohes Bildungsniveau haben. Dies soll gewährleisten, dass die Klasse einheitlich beschult werden kann. Wenn ein Schüler durch dieses Raster fällt – sei es aufgrund einer Entwicklungsverzögerung, einer Lernschwäche, seiner eigenen Faulheit oder eines längeren Krankenhausaufenthalts – so bietet die Wiederholung des Schuljahres die Chance, nicht verstandene Unterrichtsinhalte erneut durchzugehen und fehlenden Stoff nachzuholen. Die Erfahrung zeigt, dass Schüler, die trotz schlechter Leistungen über längere Zeit “mitgeschleift” werden, oft im Unterricht abschalten. Wenn sie die Grundlagen nicht verstanden haben, können sie auch den weiterführenden Stoff nicht verstehen. Sie langweilen sich und können sogar stören.

Kontra
Für die Schüler kann das Sitzenbleiben eine psychische Belastung sein. Das gilt besonders, wenn sie Schulfreunde nicht mehr sehen können oder ihre Eltern sie unter Druck setzen.
Doch da Schüler selbst das Thema eher locker sehen, stellt sich vielmehr die Frage, ob das Sitzenbleiben seinen Zweck erfüllt. Aufgrund der Vielzahl anderer Faktoren lässt sich anhand von Studien kaum belegen, inwiefern sitzengebliebene Schüler aus ihrer “Ehrenrunde” gelernt haben. Einzelerfahrungen mit Sitzenbleibern gibt es in beide Richtungen.
Gut nachvollziehen lassen sich hingegen die Kosten, die durch das Nichtversetzen von Schülern entstehen. Über 900 Millionen Euro zahlt der Staat jedes Jahr für Sitzenbleiber. Dieses Geld könnte anderweitig besser eingesetzt werden, zum Beispiel in einer individuellen Schülerförderung, die das Vorhandensein eines ähnlichen Bildungsniveaus und somit auch das Sitzenbleiben überflüssig machen würde.

Fazit
Ob das Sitzenbleiben sinnvoll ist oder nicht, hängt immer vom Einzelfall ab. Eine individuelle Schülerförderung wäre ohne Zweifel die beste Lösung. Doch das ist noch Zukunftsmusik und in unserem aktuellen Schulsystem ist das Sitzenbleiben eine Option, die ihre Berechtigung hat.

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